Biografie

03da2186c2Knut Helms – Kunstwissenschaftler

• Geboren 1972 in Lausanne (Schweiz), bin ich durch meinen akademischen Werdegang ein Kunsthistoriker

• 1997 schloss ich mein Studium der Kunstgeschichte, der Klassischen Archäologie und der Neuen Geschichte in Berlin mit dem Magister Artium ab.

• Zwischen 1998 und 2003 arbeitete ich als Stipendiat des Deutschen Forums für Kunstgeschichte in Paris und Berlin an Forschungsprojekten zum deutsch-französischen Kunstleben zwischen 1870 und 1945. Seither verfasse ich Beiträge in wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Rezensionen.

• 2009/2010 erhielt ich einen interdisziplinären Lehrauftrag zum Thema der Wechselbeziehungen von Literatur und Malerei im Frankreich des 19. Jahrhunderts im Fachbereich Romanistik der Humboldt Universität zu Berlin.

Vom Kunstwissenschaftler zum Kunstmaler und Kopisten Alter Meister

Meine Arbeit als Kunsthistoriker hat mir eine Lücke im heutigen Kunst- und Museumsbetrieb gezeigt:

Hier erforschen einerseits die Kunsthistoriker die Geschichte der Kunst meist über ihre Quellen in Bibliotheken und Archiven; Restauratoren wiederum widmen sich dem Erhalt der alten Kunst; Künstler von heute können – wenn überhaupt – zumeist nur noch eine recht oberflächliche Beziehung zur Kunst der Vergangenheit knüpfen. Das hängt nicht nur mit dem zwanghaften Druck des Kunstmarktes zusammen, stets neuartig und „originell“ sein zu müssen, sondern sicher auch damit, dass die Maltechniken der Alten Meister zum großen Teil in Vergessenheit geraten sind.

Sehr vage ist heutzutage meist die Kenntnis des Aufbaus der Untermalung in sogenannten „Totfarben“, d.h. die Zusammensetzung und Verarbeitung der zumeist monochromen Farben, welche im ersten Entwurf des Gemäldes plastische Texturen aufbauen, und der darüber liegenden Schlusslasuren, die dem Gemälde sein Tiefenlicht geben.

Heute tätige Maler, auch wenn sie fleißig und gewissenhaft kopieren und dazu gelegentlich das Museum aufsuchen, lassen meist die Auseinandersetzung mit den Gesetzmäßigkeiten dieser Farbschichtung vermissen. Sie begnügen sich meist mit einer Malerei alla prima in verflachender Einschichtigkeit nach Fotos, welche zwar eine Hilfe bei der Arbeit sein mögen, jedoch das Original niemals adäquat reproduzieren können. Das hängt allein schon damit zusammen, dass die fotomechanische Reproduktion mit ganz anderen Farben bzw. Pigmenten und zudem in einer einzigen Farbschicht verfährt, während das gemalte Bild z.B. durch grobe und feine Farbpigmente, die Varianz von deckendem und lasierend-transparenten Farbauftrag sein überzeugendes Tiefenlicht erhält, da das Licht auf verschiedensten Ebenen der Untermalung gebrochen bzw. reflektiert wird.

Durch die Bilderflut des medialen Zeitalters sind wir z.T. so oberflächlich in unseren Sehgewohnheiten geworden, dass dem unwissenden Laien nicht selten glauben gemacht wird, dass eine alla prima gemalte Paraphrase sowie ein fotomechanischer Scan, ein mit Acrylpaste gehöhtes Foto das Original überzeugend reproduzieren könne…

Das mangelnde Verständnis der Maltechnik der Alten Meister führte dazu, dass selbst erfahrene Expertenkreise sich wiederholt durch Fälschungen z.B. eines Jan van Meegeren täuschen ließen. Unsicherheiten führen bis in heutige Zeit zu wechselnden Zu- und Abschreibungen von Gemälden an Meister wie Rembrandt. Die Öffentlichkeit weiß praktisch gar nichts über die Geheimnisse der künstlerischen Ausführung, welche z.B. einen „Rembrandt“ zu einem Rembrandt machen. Die enormen Fortschritte naturwissenschaftlicher, restauratorischer und kunsthistorischer Gemäldeuntersuchungen führten gerade in den letzten Jahren zu einer Flut neuer „mikroskopischer“ Einzelerkenntnisse über Farben, Bindemittel, Unterzeichungen auf dem Bildträger und Farbschichtungen. Die Suche nach dem weitgehend verlorenen Erfahrungswissen über die Wirkung der Farben in dieser Übereinanderschichtung von der teils bunten, teils monochromen Untermalung bis hin zur transparenten Schlusslasur erhält damit eine Chance, wiederentdeckt zu werden.

Meine Überzeugung reifte: Die handwerklichen Kunstgriffe der Maltechniken alter Meister – Quelle der überlegenen Schönheit ihrer Bilder – sind so wenig bekannt, dass sie wohl nicht mehr überzeugend an einer Kunstakademie zu lernen sind (so sehr ich auch die Lehre moderner Meister respektiere und schätze). Ich musste aus dem Regelkanon akademischer Schulung ausbrechen und mich der Lehre der Bilder im Museum selbst stellen: Ich konnte die Maltechnik der Meister erst begreifen und vermitteln, wenn ich sie in einem relativ großzügigen Zeitfenster – das ich mir zunächst freiberuflich mit lehrenden und beratenden Tätigkeiten schaffen und finanzieren musste – selbst ausprobiere und dokumentiere.

Ich setzte den Schwerpunkt auf die holländische Malerei des 17. Jahrhunderts und trug hierzu den Forschungsstand aus Katalogen und Fachzeitschriften zusammen. Ein Arbeitsplan wurde erstellt, eine Liste der benötigten Farben und Grundierungen geführt. Dann wurden die zu historischer Zeit verwendeten Rohstoffe wie Pigmente besorgt und die Farben – Mineralfarben, welche industriell nicht mehr hergestellt werden oder technisch gar nicht herstellbar sind – nach traditionellen Methoden mit einem Reibstein und Leinöl, Eigelb u.a. selbst zubereitet.

All diese Aktivitäten werden von dem Wunsch beflügelt, den schöpferischen Erfahrungsschatz historischer Maltechniken auszugraben. Somit habe ich mich seit 2004 im Rahmen meiner Tätigkeit als Freier Mitarbeiter der Gemäldegalerie Berlin für öffentliche Führungen einer experimentellen Kunstgeschichte verschrieben, welche die Entstehung eines Meisterwerks im Museum in den historischen Maltechniken und Farben nach dem heutigen Forschungsstand nachzuvollziehen sucht und dies zugleich didaktisch an die Museumsbesucher vermittelt. Als Maler und Kopist gebe ich mein Erfahrungswissen über Theorie und Praxis historischer Maltechniken in Malkursen in meinem Atelier in Berlin-Pankow weiter.

So hat mich Geschichte und Theorie der Kunst in die malerische Praxis geführt, die ich mir von früher Jugend an weitgehend als Autodidakt angeeignet habe. Die beim Kopieren gesammelten Erfahrungen führten mich zu der Überzeugung weiter: Die in der Schule der Alten Meister gelernten Kunstgriffe und ästhetischen Erfahrungen versprechen eine Bereicherung nicht nur für die Kunstgeschichte, sondern auch für die Malerei unserer Zeit zu werden: Warum soll ein Künstler nicht auch heute noch über die intensive Rezeption der älteren Kunst zu einer neuen ganz eigenen Kreativität finden können, die seiner eigenen Zeit entspricht?

2008 erlebte ich überraschend, wie meine Arbeit mit dem zeitgenössischen Kunstschaffen vermittelt werden konnte. Ich arbeitete als Gemäldekopist an einer Kunstausstellung in Potsdam-Sanssouci mit: „Neue Kunst in den Neuen Kammern – Aktuelle Kunst in historischen Räumen“. Dort führte ich als eine „Performance“ die Kopie des „Ungläubigen Thomas“ nach Caravaggio aus. Den gegenwärtigen Stand meiner Arbeit führt Ihnen meine digitale Galerie vor Augen.